Dem Himmel so nah NRZ am Sonntag
17. September 2006

Dem Himmel so nah
Einer der weltbesten Weltraumzeichner lebt in Duisburg


Von Manfred Lachniet

Das kommt dabei heraus, wenn Kinder zu intensiv Mickey Maus Hefte lesen: Es war Anfang der 60er-Jahre, als der kleine Detlev van Ravenswaay in seinem Comic eine Beilage entdeckte – mit vielen phantastische Bildern vom Mond, von den Planeten, Raumschiffen und fernen Welten. „Da hatte es mich gepackt. Da wollte ich hin; und ich wollte auch zeichnen“, erinnert sich der heute 50-Jährige. Mit der Reise ins All klappte es zwar nicht. Aber immerhin ist er heute der einzige hauptberufliche Weltraum-Illustrator Deutschlands. Und einer der besten der Welt. Zunächst aber barsten die Träume des kleinen Detlev wie Meteoriten beim Eintritt in die Atmosphäre. Denn der Vater, der in Duisburg-Walsum ein Geschäft für Bürobedarf betrieb, wollte den Sohn als Nachfolger ausgebildet wissen. Van Ravenswaay war folgsam. Doch nach dem frühen Tod des Vaters und der Auflösung der Firma schrieb er sich sogleich an der Fachhochschule für Grafik-Design in Krefeld ein. Und er lernte, wie man noch besser Sterne, Marsmenschen und Raumtransporter zu Papier bringen.

Das D1-Emblem brachte den Durchbruch

Der Griff nach den Sternen glückte 1983. Während der Duisburger studierte, wurde von der ersten D1-Weltraummission ein Wettbewerb für ein Emblem ausgeschrieben. „Ich habe ein Logo entwickelt, es eingeschickt – und bekam den Auftrag!“, freut sich van Ravenswaay noch heute über seinen Erfolg. Monate später war Astronaut Ernst Messerschmid am Apparat. „Er lud mich ins Trainingszentrum der Astronauten nach Köln ein, ich war überglücklich. Ich durfte mir (im Sommer 1984) wochenlang alles anschauen, genoss dort alle Freiheiten (eines Mitarbeiters).“

Klar, dass er wieder zeichnete, als 1985 die D1-Mission abhob. „Beim Start hatte ich wahrscheinlich einen höheren Puls als die Astronauten (das stimmte tatsächlich - DvR).“ Gerade bahnte sich eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der deutschen Weltraumbehörde an, der Zeichner wähnte sich dem Himmel so nah … doch dann –im Januar 1986 – explodierten mit der „Challenger“ sämtliche Raumfahrtpläne in Deutschland. „Alle Gelder wurden eingefroren, ich hatte keinen einzigen Auftrag mehr.“

Sonnenfinsternis (1999) – seine große Welle des Erfolgs

Van Ravenswaay verdiente seine Brötchen 15 Jahre lang eher bodenständig, arbeitete für Werbeagenturen (in leitenden Positionen). Doch nebenher fertigte er in Airbrush-Technik und Wasserfarben Bilder von fernen Galaxien, schickte sie an eine Agentur für Astro-Motive. Und machte sich allmählich einen Namen in Fachkreisen. 1997 gestaltete er Titelseiten für den „Spiegel“, danach für das „PM-Magazin“, „GEO“ und „Bild der Wissenschaft“. Als im August 1999 die spektakuläre Sonnenfinsternis die Menschen faszinierte und die Medien nicht genug „SoFi“-Bilder bringen konnten, da war Detlev van Ravenswaay für ein paar Tage der meistgedruckte Künstler der Welt. „Zeitschriften aus allen betroffenen Ländern zeigten, wie ich mir die Sonnenfinsternis vorstellte. Das war ein unglaubliches Gefühl. An jedem Kiosk konnte ich meine Bilder sehen, sogar als Poster in der BRAVO.“

Auch jetzt ist Detlev van Ravenswaay wieder ganz oben. Er zeichnete das Emblem für die Mission ASTROLAB im Auftrag der ESA. Natürlich trägt auch der Astronaut Thomas Reiter das Emblem des Duisburg-Walsumers auf dem Anzug. ESA-Sprecher Jean Coisne fand es nur logisch, dass „ein deutscher Designer auch das Emblem für einen deutschen Astronauten gestalten“ sollte.

Pinsel und Sprühpistole hat van Ravenswaay übrigens inzwischen ausgemustert. Er zeichnet am Computer: „Für die Lunge ist das auf jeden Fall besser.“

Und der Mann hat das Weltall nicht nur im Kopf, sondern auch im Keller: Er sammelt Steine, Raumanzüge, Mondstiefel und (entwickelt) Modelle von Fluggeräten, die prima in Science-Fiction-Filmen mitwirken könnten. Und natürlich ist van Ravenswaay Mitglied der IAAA, einen Club, der nicht jeden aufnimmt: Die planetare Weltraumkünstler-Vereinigung.

Der Zeichner im Internet: www.vanRavenswaay.com